Wunderst Du Dich manchmal, warum Du an manchen Tagen eins bist mit Deinem Pferd und alles wie von selbst gelingt, während die Kommunikation an einem anderen Tag überhaupt nicht zu funktionieren scheint? Woran mag das liegen?
Im Umgang mit einem Pferd begegnen wir, abhängig von Rasse und Größe, schnell einem Lebewesen von mindestens 300 Kilogramm. Umso wichtiger ist es, dass wir sein Verhalten verstehen und einschätzen können. Zugleich darf auch unser Pferd lernen, unsere Signale zu lesen.
Wie Pferde miteinander kommunizieren
Pferde verständigen sich vor allem über Gestik, Mimik, Körperhaltung, Abstand und Bewegung. Auch über größere Entfernungen können Lautäußerungen hinzukommen. Meist beginnen ihre Signale jedoch sehr fein. Erst wenn ein Gegenüber nicht reagiert oder eine Situation dringlicher wird, werden die Zeichen deutlicher.
Neben gut erkennbaren Ausdrucksformen zeigen Pferde kurze, beinahe unbewusste Veränderungen im Gesicht und im Muskeltonus. Wer verstehen möchte, was zwischen Pferden geschieht, darf deshalb genau hinsehen: Wohin richten sich Blick und Ohren? Wie verändert sich die Haltung? Was geschah unmittelbar vor einer Reaktion?
Eine weitere Form der Verständigung ist die Telepathie. Mehr dazu erfährst Du in meinem Beitrag Tierkommunikation: Was ist das?
Wie kommunizieren wir Menschen mit unserem Pferd?
Wir Menschen nutzen unsere Stimme, bewusste und unbewusste Körpersprache, Berührungen sowie die Hilfen beim Reiten und am Boden. Wir erwarten, dass das Pferd unsere Sprache lernt. Umgekehrt dürfen auch wir seine Ausdrucksweise wie eine Fremdsprache erlernen.
Ein Pferd lernt von klein auf, was Menschen von ihm möchten. Es beobachtet seine Mutter, andere Pferde und den Umgang der Menschen mit ihnen. Gleichzeitig nimmt es unsere Stimmung und unsere Emotionen sehr fein wahr.
Ich erinnere mich an eine Reitstunde, in der ich sehr nervös war. Diese Nervosität übertrug sich beim Reiten auf mein Pferd. Ich konnte es in dieser Stunde kaum zur Ruhe bringen und hatte Mühe, im Galopp durchzuparieren. Mein Körper und meine innere Anspannung hatten längst etwas mitgeteilt, obwohl ich etwas ganz anderes erreichen wollte.
Wenn Dein Pferd anders reagiert als erwartet
Wenn ein Pferd nicht wie gewünscht reagiert, will es uns nicht ärgern. Statt vorschnell von Ungehorsam auszugehen, können folgende Fragen weiterhelfen:
- War mein Signal eindeutig, verständlich und fair?
- War ich mit meinen Gedanken wirklich bei dem, was ich erreichen wollte?
- Hat mein Pferd die Aufgabe verstanden und ausreichend gelernt?
- Kann es die gewünschte Bewegung körperlich ausführen?
- Fühlt es sich bei mir sicher und kann es meiner Führung vertrauen?
- Was ist unmittelbar vor seiner Reaktion geschehen?
- Welche Erfahrungen hat es gemacht, bevor es zu mir kam?
- Hat sich in der Haltung, der Herde oder seinem übrigen Umfeld etwas verändert?
Auch der tägliche Umgang prägt die Verständigung. Ein Pferd, das regelmäßig grob zur Seite geschoben oder in lauter Umgebung angesprochen wird, kann lernen, erst auf sehr starke Signale zu reagieren. Dabei sind Pferde von Natur aus so feinfühlig, dass bereits eine Fliege auf der Haut eine sichtbare Reaktion auslöst.
Diese Feinheit dürfen wir in der gemeinsamen Kommunikation wieder suchen. Eine sanfte Berührung, ein ruhiges Lob oder ein Kraulen am Mähnenkamm können für ein Pferd sehr verständliche und angenehme Antworten sein.
Plötzliche oder anhaltende Verhaltensveränderungen können auch körperliche Ursachen haben und sollten fachkundig abgeklärt werden. Ebenso können Haltung, Fütterung, Lernerfahrungen und die Situation in der Herde eine wichtige Rolle spielen.
Gute Kommunikation bedeutet für mich, neugierig zu bleiben, genau hinzusehen und die Antwort des Pferdes ernst zu nehmen. Je besser wir seine Sprache verstehen, desto klarer, feiner und vertrauensvoller kann unser gemeinsamer Weg werden.
